www.fal-music.net

  Startseite
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 


http://myblog.de/fearandloathing

Gratis bloggen bei
myblog.de





Die Legende stribt zuletzt

Woran merkt man, dass man langsam älter wird? Bestimmte Erinnerungen und Rituale ändern sich oder scheinen aus der Mode zu kommen. Vielleicht hat das Ganze auch einen reinen politischen Hintergrund? In diesem Fall mit Sicherheit!

Zum Beispiel damals, als man noch zur Schule ging und gutgelaunt in den Freistunden und Pausen den Weg zur Cafeteria fand. Bereits von Weiten sah man die nette blöde Dame mit dem leichten Sprachfehler hinter der Theke stehen und es spielte sich folgendes Szenario mit dem stetig selben Dialog ab:

„Ein Kaffee und eine Bretzel, bitte.“ „Kaffee: Achtzisch.  Bretzel: Sechzisch. Macht zusammen Einsvierzisch.“ inneres Lächeln, jetzt nur nicht anfangen zu lachen. es geht weiter: „Hat’a passend? Hier der Kaffee. Bretzel nimmt’a sich!“

Was war das für eine Aufmunterung im meistens doch grauen Schulalltag. Ständig wurde der Dialog wiederholt: Auf dem Schulhof, in der Raucherecke, auf dem Klo, überall! Nach einiger Zeit konnte man das Lachen einfach nicht mehr zurück halten und die Dame hinter der Theke, Elli haben wir sie immer genannt, freute sich über die nett lächelnden Jungs des älteren Jahrgangs.

Dieser „Sechzisch“-Mythos  ging selbst über die eigene Schule hinaus. Bekannte und Freunde aus anderen Schulen kamen in Freistunden zu uns nur um selbst das Schauspiel mit den übertriebenen falsch ausgesprochenen Endungen  zu erleben. Wenn die Frau wüsste, wie berühmt sie zu diesem Zeitpunkt war?

Zwei Jahre nach dem Abi die Rückkehr.

Bin gerade damit fertig geworden die Flyer zum Ritterfeld-Gig zu verteilen. Die beiden oberen Etagen sind ausreichend versorgt. Auch für ein kleines Schwätzchen mit der alten Geografielehrerin bleibt Zeit. Eine handvoll der gut kopierten und mit Liebe ausgeschnittenen  Exemplare bleiben übrig.

Wo hin damit? Gucke auf die Uhr: Kurz nach Halb zehn. Zeit für’n Kaffee bei Elli! Erst schön nostalgisch die Bestellung abgeben und dann noch fragen, ob die Zettel auf dem Tresen ausliegen dürfen … Geistesblitz, spitzen Idee, Dirki!

Die Cafeteria  ist gut gefüllt, auf den ersten Blick jede Menge Gesichter, die man nicht kennt. Vielleicht kennt man mich ja? Fear and Loathing, die kennt man bestimmt!

Gucke mich kurz um und gehe dann auf direktem Weg zur Theke. Wie gewohnt vergehen keine fünf Sekunden bis die lustige Dame an die Kasse kommt.

Natürlich erkennt sie mich auch nach zwei Jahren wieder. Smalltalk. Dies und das eben, was man sich so erzählt. Was man gerade so macht, wie das Geschäft so läuft und so weiter. Elli scheint glücklich zu sein sich mit mir zu Unterhalten und berichtet stolz, dass es jetzt bei ihr sogar Salatteller kaufen kann, die sie jeden Morgen frisch zubereitet.

Bevor ich zum bestellen komme, fähr sie mir in die Parade: “Willst bestimmt’n Kaffee, wa?“, poltert sie mir entgegen, als wenn sie doch den Grund unseres früheren Gutgelauntseins endlich gerafft hätte. Noch bevor dich doch auf meine Kosten kommen will um mich nach dem Preis zu erkundigen, sagt sie lächelnd: „Der kostet jetzt zweiundachzisch Cent!“

In diesem Augenblick stirbt eine Legende.

Der Sprachfehler kommt überhaupt nicht mehr so richtig durch! Das ist einfach nicht das gleiche, das lustige, das von früher!Gucke mir das weitere Angebot so an – kein glatter Preis mehr! Alles ungerade Summen! Auch auf dem Schildchen der anderen Lachgarantie „Bretzel“ der gleiche Mist: 62 Cent.

Elli fügt grinsend hinzu: “Is wegen da Mehrwertsteuer, hehehe!“Das hat sich dann wohl erledigt mit dem Runnig-Gag der letzten drei Jahre auf dem Gymnasium.

Nachdem sie mir den Kaffee (den es nichtmehr in den großen einfarbigen Tassen gibt) serviert, fällt ihr noch etwas ein, dass sie unbedingt loswerden muss: „Vor zwei Wochen war den Lange mit dem Zopf hier gewesen, der hat auch so nett erzählt, wie du.“ Die Rede ist bestimmt von Don Michalski, der muss es sein. Der studiert in Rostock und hat momentan wie alle Studenten Semesterferien.

Kann ihr genau die 82 Cent passend geben – Ironie des Schicksals. Ihr Grinsen scheint nicht mehr aufhören zu wollen. „Natürlich kannst die Fyler hier hinlegen, is doch keen Problem.“ Wenigstens das ist noch wie früher, Einwände von ihr gab es ja nie.Ich bedanke mich wie es sich gehört und setze mich an einen freien Tisch, trinke Kaffee und denke an die gute alte Zeit, wo der Kaffee noch „Achtzisch“ und die Bretzel (wahlweise mit Salz oder ohne) „Sechzisch“ gekostet hat.

Ob die jetzigen Sek.II-Schüler soviel Spaß in der Cafeteria haben wie wir von 2002 bis 2005? Vielleicht hat der Tierarzt gegenüber der Cafeteria noch den riesigen Dalmatinerhund, der immer versucht  hat die Menschen, die den Hof betraten, zu besteigen! Ansonsten gibt’s kaum mehr was zu lachen im Schulalltag.

28.3.07 13:43
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


tobbsen / Website (29.3.07 12:30)
ach ja. nostalgie. kiek ma an, wo wir schon hingekommen sind.


gary miller / Website (1.4.07 23:25)
is doch eigentlich idiotisch, wenn man da jetz immer 2-cent-stücke parat haben muss...

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung